Emotionales Design: Für Produkte, die in Erinnerung bleiben

In der heutigen Zeit reicht es nicht länger, Produkte zu designen, die funktionieren. Produkte müssen eine großartige User Experience haben, um langfristig und gerne benutzt zu werden, die über reine Funktionalität hinausreicht. Die Designer und Autoren Don Norman und Aarron Walter beschäftigen sich seit Jahrzehnten mit der Frage, wie Design positive und erinnerungswerte Erfahrungen schaffen kann.

In diesem Blog Post will ich – ausgehend von den Forschungen von Norman und Walter – fragen, was emotionales Design ausmacht und warum Produkte in Erinnerung bleiben. Los geht’s!

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Mehr als Funktionalität – Design, das für den User funktioniert

Das Problem kennt jeder: Man zieht an einem Türgriff, obwohl man eigentlich hätte drücken sollen. Die Richtung der Tür ist nicht eindeutig erkennbar. Diese Türen nennt man “Norman Doors”, benannt nach dem Professor und Designer “Don Norman”, der sich in Büchern wie “The Design of Everyday Things” mit der Funktionalität von Alltagsgegenständen beschäftigt.

Natürlich funktioniert eine “Norman Door”, sie lässt sich öffnen und schließen, aber sie funktioniert nicht für den User. Produktmanager, Designer und QA-Agenten beschäftigten sich mit der Frage: “Wie kann man Produkte schaffen, die für den User funktionieren” den ganzen Tag.

Emotionales Design: bessere Produkte für positive Reaktionen

Aarron Walter, General Manager of New Products bei Mailchimp und Autor des Buches “Designing for Emotion”, fasst diese Frage unter dem Begriff “Emotionales Design” zusammen.

Was bedeutet das?

Nach Aarron Walters Theorie sollte ein Produkt funktionell, zuverlässig und verwendbar sein sollte (in dieser Reihenfolge). Emotionales Design ist eine weitere Ebene, die zu einem Produkt hinzutritt, wenn die reine Funktionalität sichergestellt ist.

Produktdesign Walter

Emotionales Design soll dabei eine positive Reaktion im User auslösen und die Erfahrung mit einem Produkt erfreulich und erinnerungswert machen.

Was bringt emotionales Design?

Gutes Design bringt positive Emotionen zum Vorschein. Dies können sein: Überraschung, Zufriedenheit, Dankbarkeit, Originalität, Vorfreude, Erfolg. Überlegen Sie einmal, was Ihre Lieblingsapp ist und welche Emotionen, sie bei der Verwendung dieser empfinden. Das kann Überraschung sein, wenn Sie neue Funktionen entdecken, wie z. B. die Face Swap Lenses von Snapchat. Oder auch das Gefühl von Erfolg, wenn Sie bei Pokemon Go ein neues Level erreichen.

Ein weiterer Vorteil von positiven Gefühlen bei der Verwendung eines digitalen Produkts ist, dass gleichzeitig auch die Frustrationstoleranz steigt: Kleine Fehler verzeihen wir eher, wenn die Gesamterfahrung positiv ist.

3 gute Beispiele für emotionales Design

1. Das Gefühl, etwas erreicht zu haben

Wir benutzen digitale Produkte wie Mailchimp, Intercom oder Trello, um unsere Arbeitsabläufe zu dokumentieren, um Kommunikation zu vereinfachen und um effektiver zu arbeiten.

Das Gefühl etwas erreicht zu haben muss dabei nicht unbedingt von einem erledigten Projekt stammen, sondern kann auch eintreten, wenn man z. B. bei Trello Projekte und Aufgaben übersichtlich angelegt und mit Deadlines versehen hat. Damit werden Aufgaben überschaubar und einfacher zu bewältigen. Die Möglichkeit Aufgaben zu verschieben – etwa vom Ordner “Doing” in “Done” kann dabei zusätzlich für die Motivation steigernd sein.

design trello

Die Produkte, die es Usern erleichtern, dass zu machen was sie tun wollen, lösen positive Gefühle aus. Das gilt besonders auch dann, wenn es sich um komplizierte Aufgaben handelt, die man sonst eher vor sich herschiebt.

2. Interaktives Design

Produkte können dann für Happiness und Neugier sorgen, wenn man sie auf der Landing Page direkt ausprobieren kann. Wir haben bei Usersnap daher direkt unser Feedback-Tool auf der Website eingebaut, damit interessierte User direkt Screenshots machen und annotieren können und ein Gefühl für das Produkt bekommen.

Bei Bellroy kann man ein physisches Produkt direkt ausprobieren: eine Geldbörse. Das Problem, dass man zu viele Karten im Portmonee hat wird einigen bekannt vorkommen. Bei Bellroy kann man nun mit einem Schieber zwei Geldbörsen im Vergleich sehen und den Schieber bewegen, um Karten hinzuzufügen oder wegzunehmen. (Leider hat meine eigene Geldbörse mehr Ähnlichkeit mit dem linken Portmonee…? ). Fun und interaktives Webdesign.

Bellroy Design

Eine Seite, die ermöglicht über Produkte auf neue Art und Weise nachzudenken, macht neugierig und schafft positive User Experience.

3. Design das ist, wie einen guten Freund zu treffen

Es ist kein Geheimnis, das wir bei Usersnap Mailchimp-Fans sind. Das freundliche Logo, die lockere und doch professionelle Ansprache sowie unwiderstehliche Audio-Werbung machen die Brand sympathisch. Man merkt: hier arbeiten Menschen mit einem besonderen Humor und viel Kommunikations-Geschick und Witz.

mailchimp-404-error-pageIn den meisten Fällen, wenn wir uns mit einem Unternehmen auseinander setzen, passiert das nicht persönlich, sondern über eine Website oder ein Produkt. Aber dennoch will man sich nicht so fühlen, als würde man sich mit einem leblosen Produkt oder einer langweiligen Corporate Identity beschäftigen, sondern will eine lebhafte, humorvolle, vielleicht inspirierende Erfahrung. Von Fehlermeldungen bis zu “Willkommens-Mails” sollte alles einen sehr persönlichen Ton haben.

Fazit

Produkte, die lediglich funktionieren, haben heutzutage keinen Erfolg mehr. Produkte sollten immer auch positive Emotionen wie Neugier, Erwartung, Freude oder Überraschung auslösen. Wie das geht gehört zu den wichtigsten Fragen, die sich Designer und Produktmanager heute stellen.

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